Gemeinde Visp

SAC Ortsgruppe Visp
Sektion Monte Rosa

Schweizer Alpen-Club SAC

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Friedhelm Altpeter. 3. Juni 2006
Dok. Id. 47

Tour du Ciel

Zusammenfassung: In alten Zeiten führte der sicherste Weg im Winter nach Zermatt durch das Val d’Anniviers via Zinal und über den Col Durant. Heute stellt die Matterhorn-Gotthard-Bahn mit all ihren Gallerien eine zuverlässige Zugverbindung von Visp nach Zermatt sicher. Von dort aus führen neue 8-er Gondeln den Touristen zum Schwarzsee, dem Ausgangspunkt unserer „Himmelstour“, der „Tour du Ciel“.

 

Tour du Ciel


JO-Visp 18.-22. April 2006



Skipisten führen zum Wasserschloss Stafel von wo aus die Schönbielhütte leicht über den Sommerweg via die Hohle Bielen zugänglich ist. Auf dieser ersten Etappe stossen auch Iris und Diether, die Journalisten der Tour, zu unser Gruppe, die nun 22 Jugendliche, Leiter und Begleiter zählt.


Fotosession für die Dent Blanche

Die meisten Gäste der Schönbielhütte sind auf der Haute-Route vor einer der längsten Wegabschnitte. Dies ist Grund genug, früh am Morgen aufzustehen. Auch wir starten beim Morgengrauen und fahren zur Hohlen Bielen hinab um ein enges Tälchen zum Punkt 2747 und von dort den Hohwänggletscher zu erreichen. Gute Harscheisen sind hier sehr empfohlen! Der Rest des Aufstiegs zum Col Durant bereitet keinerlei besondere Schwierigkeiten. Vom Pass aus führt ein leichter Grat auf das Arbenhorn (3712 m.ü.M.)



Nach Gipfelerlebnis, vielen Bildchen von der eindrücklichen Dent Blanche, und der Mittagspause im Col Durant, profitieren wir von den ausgezeichneten Schneeverhältnissen während der Abfahrt über den Glacier Durant zur Cabane Mountet (2886 m.ü.M.) Dort verbringen wir den Nachmittag bei Walliserteller und Weisswein um uns körperlich und geistig auf die bevorstehende Mammutetappe vorzubereiten.


Mammutetappe mit Start am Le Mammouth

So starten wir am frühen morgen des darauffolgenden Tages und umrunden im Norden „Le Mammouth“; die Namensgeber dieses Berges dachten sicher auch schon an die Tour du Ciel. Über einen Gletscher wird der Südgrat des Blanc de Moming auf etwa 3440 m.ü.M. erreicht. Wenn der Grat gespurt ist, so lässt sich der Gipfel auf 3657 m.ü.M. leicht erreichen, wobei der schwere Rucksack und das Skitragen das Tempo gut und gerne drosseln. Erleichterung schafft da nur der Päckliservice von Reto, der heute den Transport von 4 kompletten Ausrüstungen abwickeln kann.



Die Abfahrt durch die eindrücklichen Spalten des Glacier de Moming ist ein Traum. Allerdings verlangt die Querung zur Cabane d’Ar Piteta (2786 m.ü.M.) einiges an Ortskenntnissen, und natürlich auch ein bisschen Glück. Rasch lässt sich nun der Col de Milon (2990 m.ü.M.) mit den Fellen erreichen, wobei wir durch die intensive Sonnenbestrahlung reichlich ins Schwitzen kommen. Gerade wegen der Temperaturen sollte versucht werden die Mittagspause wenn irgend möglich im Col de Milon vorzusehen, und nicht vorher!

Nach einer kurzen Abfahrt zum Punkt 2794 ist Gratis-Sauna beim Aufstieg zur Cabane de Tracuit (3256 m.ü.M.) angesagt. Die Gedanken an die bevorstehende frische Nacht in der höchsten Hütte der Tour du Ciel verschaffen jedoch etwas Abkühlung. Es sei angemerkt, dass es dort oben für den urchigen Rotstrumpfalpinisten sogar noch die staubigen und leicht feuchten Militär-Wolldecken aus der Vorkriegszeit gibt.




Höhepunkt am höchsten Punkt

Am darauffolgenden Tag steht mit dem Bishorn (4153 m.ü.M.) der höchste Punkt und somit der Höhepunkt der Woche auf dem Programm. Dem Berggänger ist auf diesem sehr spaltenreichen Gletscher ein professionelles Verhalten dringendst empfohlen, auch wenn rechts und links Kamikazes zu Fuss, ohne Seil, und möglichst ohne Klettergurt die Festigkeit der dünnen Schneebrücken testen!

Die Aussicht auf dem Gipfel ist prächtig: Mt Blanc Massiv, die 4000-er von Zermatt und die nicht minder eindrücklichen Gipfel der Berner Alpen. Wer schnell genug ist um dem Führer Fredy zu folgen, und wer genügend Mut hat, wagt sich in die Steilabfahrt durch die Nordwand des Stierbergs. Die anderen lassen sich auf der Traumabfahrt über den Turtmanngletscher von allen Seiten fotografieren. Hierzu eignet sich die orangene Jacke von Thomas Junior besonders gut, dies im Gegensatz zum modischen Totengräber-schwarz und -grau mit dem sich die übrigen Teilnehmer kleiden.

Beim ausgiebigen Nachtessen in der Turtmannhütte (2519 m.ü.M.) beschliessen wir am kommenden Tag von der vorgegebenen Route der Tour du Ciel abzuweichen und das Wengerhorn zu besteigen. Korrekterweise hätten wir dem Brunegghorn einen Besuch abstatten müssen, allerdings waren dort die meisten von uns schon.




Firnschneeabfahrt

Um im ostexponierten Wängertälli den richtigen Firnschnee vorzufinden ist es wichtig früh morgens zu starten. Zunächst ist der Turtmanngletscher möglichst weit oben zu überqueren um anschliessend die Seitenmoräne zu überwinden. Der Pass am Punkt 3044 wird in leichtem Aufstieg mit ein paar Spitzkehren erreicht. Von dort aus werden die Türme des Grats im Nordwesten umgangen um zum Gipfel des Wengerhorns (3096 m.ü.M.) zu gelangen.

Derjenige, der um 11h zurück in der Hütte noch nicht genug hat, der kann noch schnell in Richtung Barrhorn zum Punkt 3202 aufsteigen um die Steilhänge der Barr, sowie die Zunge des Brunegggletschers hinunterzufahren. Den anderen seien die garnierten Rösti und die Schwarzwäldertorte in der Turtmannhütte empfohlen!


Ausstieg in die Zivilisation

Die letzte Etappe der Tour du Ciel führt uns über die Pipjen- (3050 m.ü.M.) und Jungtallücke (3220 m.ü.M.) zurück in die Zivilisation von St Niklaus. Es ist schon Ende April und die Morgensonne ist bereits kraftvoll. Daher starten wir wiederum beim Morgengrauen und nehmen die steilen und stellenweise heiklen Moränenhänge des Aufstiegs in Angriff. Zweimal zwingt uns das steile und Fels durchsetze Gelände zum Skitragen. Nach einer kurzen Z’Nüni-Pause in der Jungtallücke geniessen wir die phantastische Abfahrt über den Jungtalgletscher.

Weiter geht es über traumhaften Firn hinab zur Stellimatte (Punkt 2208). Entlang der Wasserleite auf der linken Talseite gelangen wir nach Jungu (1955 m.ü.M.). Von dort aus lässt sich St Niklaus über die neu in Stand gestellte Luftseilbahn erreichen. Es handelt sich um eine kleine 4-er Gondel und für grosse Gruppen lohnt sich eine telefonische Voranmeldung allemal da der offizielle Fahrplan nur alle 3 Stunden einen Transport vorsieht. Am Bahnhof von St Niklaus gibt’s zunächst das traditionelle Eisessen, bevor wir uns von unseren Paparazzi verabschieden, die direkt zu neuen Reportagen in Richtung Zermatt weiterfahren. Wiederum ist eine traumhafte Ostertourenwoche der JO-Visp vorbei und etwas wehmütig geht’s zurück in den Schul- und Arbeitsalltag.


Photos: Denise, Sara, Fabi, Raphi.
Text: Friedli.